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Definition

„ Venture Capital“ (VC) wird übersetzt mit Wagnis- oder Risikokapital. Der grosse Unterschied zwischen einem Bankkredit und Venture Capital ist, dass der VC-Geber ohne Stellung von Sicherheiten durch den VC-Nehmer für eine Dauer von drei bis fünf Jahre Eigenkapital zur Ver- fügung stellt, wobei der VC-Nehmer nicht zur Rückzahlung oder Ver- zinsung dieses Betrages verpflichtet ist. Dadurch wird der VC-Geber zu einem haftenden Partner des Gründers, zumeist als Minderheits- gesellschafter mit einer Beteiligungsquote zwischen 20 und 35%, und beteiligt sich aktiv am Unternehmen und fordert zumeist auch Kontroll- und Mitspracherecht (Venture Management). Der VC-Nehmer ist nicht haftbar für das vom VC-Geber investierten Kapital, das ist alleine das Risiko vom VC-Geber.

Exit-Möglichkeiten

Venture Capital ist zeitlich begrenzt – die Laufzeit wird in den Verträgen festgehalten. Normalerweise ist die Laufzeit drei bis fünf Jahre, in manchen Branchen (z.B. Biotechnologie) jedoch auch sieben bis zehn Jahre. Grundsätzlich gibt es nach Ablauf dieser vereinbarten Zeit drei Mögliche Exit-Wege aus dem VC:

a) Rückkauf der Anteile durch den VC-Nehmer
Diese Möglichkeit ist aber zumeist unrealisierbar, da das benötigte Kapital nicht frei verfügbar sondern im Unternehmen angelegt ist.

b) Trade Sale
Unter Trade Sale versteht man im Falle von Venture Capital den Verkauf der Eigentumsbeteiligung des VC-Gebers an industrielle Investoren. Trade Sale stellt sich als verhältnismässig schwierig dar, vor allem wenn man nur eine Majoritätsbeteiligung, nicht jedoch über 100% der Anteile besitzt. Je weniger Anteile vorhanden sind (z.B. Minderheitsbeteiligung) umso geringer fallen die Verkaufspreise aus.

c) Börsegang
Der Börsegang wird auch als Königsweg des VC Exits bezeichnet, da hier die höchste Rendite zu erzielen ist. Weiters ist der tatsächliche Zeitpunkt des Exit flexibler zu gestalten, je nach Aufnahmefähigkeit des Aktienmarktes, generellem Bewertungsniveau und Investorenverhalten. Ausserdem kann der VC-Geber an der Wertsteigerung des Börsen- neulings teilhaben, da er nicht alle Anteile beim Börsengang abgeben muss sondern weiterhin Aktionär bleiben kann.

Geschichte des VCs

Die erste VC-Gesellschaft dürfte die 1946 von Georges Doriot, einem Harvard Professor, und Ralph E. Flanders, dem Präsidenten der Federal Reserve Bank in Boston, gegründete American Research an Development Corp. (ARD) gewesen sein, die Kapital für junge Technologieunternehmen im Raum Boston zur Verfügung stellte. Ihren grössten Erfolg hatte die ARD mit ihrer Beteiligung an der 1957 von vier Studenten des M.I.T. (Massachusetts Institute of Technology) gegründeten Digital Equipment Corp.; das Investment von US $ 70 000 war 1969 bereits stolze US $ 555 Mio. wert.

Die Urheberschaft am Begriff „Venture Capital“ beansprucht Arthur Rock für sich. Rock war es, der sich 1957 für eine Gruppe von Ingenieuren der Shockley Semiconductor Laboratoires in Palo Alto auf die Suche nach Kapitalgebern machte, um sich bei der Vermarktung ihrer „Idee“, des Silicon Transistor, zu unterstützen. Nachdem er ver- geblich etwa 35 Unternehmen angesprochen hatte, stieß er schliesslich auf Sherman Fairchild, der sich zur Bereitstellung von US $ 1,5 Mio. bereit erklärte. Dies war der Beginn von Fairchild Semiconductor, dem ersten Semiconductor Unternehmen im Silicon Valley. Arthur Rock wird nachgesagt, er habe im Silicon Valley eine Goldader gefunden: Denn anschliessend beteiligte er sich mit US $ 300.000,-- an der Gründung der Intel Corp., einem Ableger wiederum von Fairchild Semiconductor. Etwas weniger Kapital, nämlich US $ 57.000,-- investierte Arthur Rock in ein anderes junges Unternehmen, die von Steve Jobs und Steve Woznik gegründete Firma Apple.

In Europa hat sich Venture Capital so richtig erst in den 80er Jahren durchsetzen können. Bis zum Jahr 2000 erlebte das Venture Capital einen stetigen Zuwachs – doch durch die herben Verluste des Internet-Einbruches Mitte 2000 stagnieren die Zahlen.
(aus dem Buch Weitnauer, Wolfgang: Handbuch Venture Capital. C.H. Beck Verlag, 2. Auflage München 2001)

Statistik Venture Capital in Österreich

Venture Capital hat in Europa erst seit den 80er Jahren Aufschwung gefunden. Wirklich an Bedeutung aber kam ihm erst seit Mitte der 90er Jahre zu. In Österreich war ab 1996 eine rasante Entwicklung zu beobachten. 1996 wurden kaum noch Beteiligungsaktivitäten in Österreich verzeichnet, 1997 sind bereits EUR 61 Mio. an Mitteln für Beteiligungsinvestitionen aufgebracht und EUR 19 Mio. investiert worden. In nur vier Jahren stiegen die Volumina bei den aufgebrachten Mitteln um das Vierfache und bei den Investitionen fast um das Neunfache und lagen im Jahr 2000 bei EUR 235 bzw. EUR 163 Mio. Trotz dieses dynamischen Wachstums ist der österreichische Private Equity Markt auch 2000 noch keinesfalls voll entwickelt und im internationalen Vergleich eher klein. So wird im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt in Deutschland sowie auch in Gesamteuropa rund dreimal so viel und in GB fast elfmal soviel investiert.

Grafik: Statistik von Venture Capital in Österreich
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